F├Ârderverein Eninger Kunstwege e.V.

In Memoriam HAP Grieshaber

Vor 40 Jahren am 12. Mai 1981 ist HAP Grieshaber verstorben. Wegen der Corona Einschr├Ąnkungen ist leider keine Gedenkstunde an seinem Grab auf dem Eninger Friedhof m├Âglich, wie dies urspr├╝nglich vorgesehen war.

Wir m├Âchten ihn pers├Ânlich mit Texten zu Wort kommen lassen, damit in Erinnerung gerufen wird, welch eine Pers├Ânlichkeit er mit Ecken und Kanten war und wieviel er f├╝r die Kunst und Kultur in unserem Land und weltweit bedeutet.

HAP Grieshaber Es gibt keine Kunst f├╝r Arbeiter vom  31.5.1968 (DIE ZEIT)

Kunst ist ja schlie├člich kein Beruf, und die meiste Zeit seines Lebens hat der K├╝nstler keine Existenz. Ich bin fast mein Leben lang Arbeiter gewesen. Setzer, Drucker, Klischeezeichner, Kartograph, wissenschaftlicher Zeichner am Ultramikroskop, Zeitungsaustr├Ąger, Maschinenschlosser,  Bergmann, auch Schulmeister (Professor), Tierhalter, Bettler, Vater, Flugblattverteiler.

Ich war es, um immer etwas zu essen zu haben und Zeit f├╝r die Freiheit herauszuschlagen, um jene Dinge zu machen, welche mir mehr am Herzen liegen.

Nach zwanzig Jahren kann sich kaum jemand vorstellen, was eine Kontrollratsverf├╝gung der Sieger f├╝r die Kunst bedeutet hat: ÔÇ×Die Reichskulturkammer ist aufgel├ÂstÔÇť. Es ah aber nur so aus. Als ich aus dem Bergwerk in Belgien zur├╝ckgekommen war, gab es zwar dieses alliierte Gesetz, jedoch die Verf├╝gungen des Dritten Reiches waren unbesch├Ądigt erhalten geblieben. Alle Anordnungen der Faschisten sind einfach weiter angewendet worden. Das Finanzamt meiner Heimatstadt, bei dem ich mich zuerst zu melden hatte, um eine Wohnung zu bekommen ÔÇôein entarteter Maler hatte eben keine ÔÇô wollte zuv├Ârderst wissen, ob ich Mitglied des Berufsverbandes bildender K├╝nstler sei! Beim Farbenh├Ąndler gab es f├╝r den Nichtorganisierten keine Farben, im Papiergesch├Ąft kein Papier, die Gemeinde hatte kein Holz f├╝r K├╝nstler. So einen wie mich gab es also immer noch nicht.

Meine Kraft reichte, um als Waldarbeiter f├╝r die Gemeinde verpflichtet, eine Werkstatt zu bauen. Geld war nicht da, aber am Tor der Maschinenfabrik in Reutlingen standen meine alten Kumpel. Ich brauchte nur zu sagen: ÔÇ×Karl, ich brauche eine T├╝r. ÔÇô Frieder, du musst mir Holz besorgen. Leberecht, - wo ist ein Fenster? Tags darauf war alles da. Gestohlen nat├╝rlich. Meine T├╝re ist eine Schult├╝re, Klasse 6b kann man noch darauf lesen. Mein Fenster ist ein Dachfenster aus einem Krankenhaus. Das Holz f├╝r die W├Ąnde muss irgendwo herumgelegen haben. Wir bauten ohne Architekten und ohne Genehmigung. Wir mauerten bei 4 Grad unter null und hatten kein Geld f├╝r ein Frostschutzmittel, das ich in den Zement h├Ątte tun m├╝ssen. Nun staubt es heute noch und zieht aus allen Fugen im Atelier. Der Ofen ist neu, w├Ąrmen tut er aber nie mehr so wie damals, als wir unseren ersten Ofen aus einer herumliegenden Bombe zusammengeschwei├čt hatten.

Aber sonst hat es der Achalm nie an W├Ąrme gefehlt, an jeder W├Ąrme, die unten im Tal vom Machtmechanismus des Wiederaufbaus ├╝berspielt worden ist. Bei uns ist es geblieben, wie Paula Modersohn-Becker sich w├╝nschte: ÔÇ×In der Deele soll es kalt sein und wenn man an den Ofen fasst soll man sich brennen, und Leben sei ├╝berallÔÇť. Manchmal wenn Kunsth├Ąndler heraufkamen, zumeist am Ende oder Anfang der Ferien, und mit ihren Bekannten  (ihr Auto hatte mindestens 4 Sitze), so h├Ârten wir au├čer den vielen Achs und Oohs, die unsere Tiere und Pflanzen ausl├Âsten, oft, wie die Damen und Herren sich zuraunten: ÔÇ×Die Achalm ist eine BruchbudeÔÇť

Ich wei├č, meine Werkstatt ist vor dem Fenster 20 km weit, vor mir schwingt der Rand der rauen Alb als Grenze, sich wie die geliebten Berge Griechenlands gegen den Himmel zeichnend. Alles, was dazwischen liegt, ist vorgeformt, H├Ąuser, Stra├čen, Autos. Nur der leere Raum, ausgef├╝llt von Blumen, Tieren, Pflanzen, Bergen und Wolken ist nicht bew├Ąltigt, hat bis heute nicht seinen Meister gefunden.

Tief unten liegt der Friedhof, der gute Ort, wie die Juden sagen. Der Partisan wird dort einmal gro├čartig beerdigt werden. Zwei Dutzend Vereine der K├╝nstler, die mich inzwischen zum Mitglied, Ehrenmitglied und Vorstand gemacht haben, werden Kr├Ąnze niederlegen. Alles e.V. eingetragene ÔÇÜVereine. Schade, dass ich dann die Kranzschleifen nicht mehr sehen kann. Die Reden nicht mehr h├Âren. Noch n├╝tzen sie mir nichts.

 

 

HAP Grieshaber Vorwort zum Doppelheft 19/20 der Zeitschrift ÔÇ×Engel der GeschichteÔÇť

Unsere Freiheit ist ├╝berall bedroht! Selbst in der Heimat, wo man die Gefahr nur zu gerne ├╝bersieht. Schauen wir uns in der N├Ąhe um, so gilt es rasch zu handeln, ehe der Blick vollends vergittert wird. Es gibt Gitter, die wir erst bemerken, wenn wir hinter ihnen sind. Auf der letzten documenta sah ich Gitter aus Haaren, Stoff und Gitter aus F├Ąden, an denen Perlen gl├Ąnzten. Es m├╝ssen viele begriffen haben, was damit gesagt werden sollte.

Ich m├Âchte mich bei dem, aus was ich meine Formen hole ÔÇô den melodischen H├╝gelz├╝gen der Schw├Ąbischen Alb ÔÇô nicht auf ein genuines k├╝nstlerisches Erlebnis nachher herausreden. Nachher, wenn es diese meine Welt, die Rauhe Alb, nicht mehr gibt. Eine einmalige Landschaft, die hinter dem zur Phrase gewordenen Umweltschutz zu verschwinden droht.

Umweltplanung auf lange Sicht ist genau das Gegenteil, was diese Landschaft braucht. Wer einmal erfahren hat, was Wacholderalb ist, was eine offene Landschaft braucht, den Millionen in den Industriest├Ądten an ihrem Rande f├╝rs ├ťberleben bedeutet. Der will, dass sofort gehandelt wird. In zehn Jahren: versteppte Brachfl├Ąchen, aufgeforstete ├äcker, Wiesen und Wacholderheiden, in zehn Jahren gibt es niemand mehr, der eine Wiese m├Ąht. Aber welcher gesellschaftliche Machtapparat k├╝mmert sich nicht lieber um die Steigerung der Wachstumsrate der Industrie als um das, was den Menschen dient.

Als das Wassergesetz im preu├čischen Landtag zur Debatte stand, brandmarkte Karl Liebknecht die halbherzigen Ma├čnahmen des Staates ÔÇ× Gegen die Kosten str├Ąubt man sich, der Kosten wegen hat man das Wasser wild ablaufen lassen.ÔÇť

 

 

Riccarda Gregor-Grieshaber

 

Die vorbereitete und interessante Ausstellung ├╝ber die Frau von HAP Grieshaber im oberen Foyer der HAP-Grieshaber-Halle kann derzeit leider wegen der Corona Pandemie nicht besucht werden.

Wir bringen in Folge Ausz├╝ge aus ihren B├╝chern und Fotos, um so auf diese K├╝nstlerin aufmerksam zu machen, in der Hoffnung, da├č wir irgendwann die Ausstellung ├Âffnen k├Ânnen.

Ein Video, das durch die Ausstellung f├╝hrt, ist in Vorbereitung.

In ihrem Buch ÔÇťMit Kugelschreiber und Kochl├ÂffelÔÇŁ Aufzeichnungen einer t├Ârichten Frau herusgegeben im Jahr 1961 von der Europ├Ąischen Verlagsanstalt, finden wir folgenden Text:

ÔÇťDIE HAUSFRAU ÔÇô Von je hatte ich(oder hatte mich) eine Leidenschaft: Wei├čes Papier mit kleinen schwarzen Zeichen zu bedecken. Ich tr├Ąumte von einem umfangreichen Werk, das zu seiner Vollendung nur eines stillen Raumes bedurfte, in dem es sich kontinuierlich denken und formulieren lie├č.

Wie sch├Ân ist die Liebe! Arglos geriet ich in ein Familienleben. Eines Tages ÔÇô Nani, unsere Tochter, fragte mich nach einer Vokabel, ich sagte: ÔÇťFrag Papa!ÔÇŁ Der Mann sprach begeistert von einer literarischen Neuerscheinung, ich kannte sie nicht ( ja, ich lief hinaus, um die So├če auf dem Feuer umzur├╝hren!) ÔÇô stellte ich mit Entsetzen fest: Ich war zur Hausfrau geworden!.......................

Zwar hatte ich das schwarze Gewerbe des Schreibens auch nach der Gr├╝ndung unseres Hausstands weiterbetrieben, obwohl das Familienleben mich so herzhaft in die Arme genommen hatte, da├č die Sucht, wei├čes Papier mit Schn├Ârkeln zu bedecken, die Farbe eines geheimen Lasters annahm. Es war ein Gl├╝ck, ihm nachzugehen, das aber gleichzeitig ein schlechtes Gewissen bedeutete, w├Ąhrend eine dicht vollgeh├Ąngte W├Ąscheleine ode rein wohlgeratener Zwiebelkuchen ein Gef├╝hl von Unlust, andererseits aber ein gutes Gewissen erzeugte.ÔÇŁ

Forsetzung folgt

hw

Eninger Fr├╝hlingserwachen!

Soweit es m├Âglich ist, sollen auch die Kunst und Kultur ein wenig aus dem Corona-Tiefschlaf erweckt werden, um Sie mit Kunstgr├╝├čen zu Ostern in den Fr├╝hling zu schicken und ein kleines Zeichen zu setzen, dass die K├╝nstler und Kulturschaffenden zwar geduldig in den Startl├Âchern verweilen aber auch gebannt, wie viele weitere geplagte Branchen, auf das Ende der Pandemie hin fiebern.

Den Anfang machte vergangene Woche die neue ePunkt-Skulptur auf dem Rathausvorplatz. F├╝r alle, die noch nie davon geh├Ârt haben, als auch f├╝r alte ÔÇ×ePunkthasenÔÇť, die das Skulpturen-Wechselspiel bisher aufmerksam beobachtet haben, geht es nun weiter.

F├╝r Eningen und f├╝r die Kunst

ePunkt-Hasen als Gaumenschmaus und f├╝r einen guten Zweck

Eine ├╝bergro├če Hasenform ziert den Eninger ePunkt vor dem Rathaus, die durch die tatkr├Ąftige Unterst├╝tzung unserer Bauhofmitarbeiter einen Sockel aus alten Eninger Dachbalken bekommen hat. Ein herzliches Dankesch├Ân f├╝r diese Eninger Spende und f├╝r den Sondereinsatz der Bauhofmitarbeiter und die Initiative unseres Bauhofleiters Jens Herold. Upcycling hei├čt aus Altem Neues wachsen und entstehen lassen und gerade deshalb passen diese Balken nicht nur optisch, sondern auch thematisch wunderbar zu unserem Hasen am ePunkt. Er k├╝ndigt nicht nur den Endspurt auf das Osterfest an, sondern steht in seiner Ursprungsbedeutung f├╝r Fruchtbarkeit, Wiedergeburt und Neuanfang.

Yvonne Kendall, die K├╝nstlerin der Hasenfigur, hat sich mit dem flinken Gesellen auseinandergesetzt, ist in die Ikonographie des Hasen genauso eingetauscht, wie in volkst├╝mliche Bedeutungsrecherchen und zeigt auch im KunstRaum des F├Ârdervereins Eninger Kunstwege in der Eugenstra├če, wie tiefgr├╝ndig Sie sich dem Thema gen├Ąhert hat. Besch├Ąftigt sie sich mit dem Thema der Fruchtbarkeit, des Neubeginns, so hinterfragt sie zudem auch die dazugeh├Ârigen Emotionen, wie Liebe und Treue und geht mit zwei farbigen Hasenherzen auf zwischenmenschliche Beziehungen ein.

Die ÔÇ×Fertility MarquetteÔÇť auf dem ePunkt, soll vor allem Hoffnung machen, Hoffnung auf das Ende der Pandemie oder zumindest, das Schwinden der hohen Infektionszahlen, Hoffnung auf einen Neustart nach der Pandemie. Zudem steht der Hase Pate f├╝r das Fr├╝hlingserwachen der Natur und soll unseren Blickwinkel auf das positive Erleben lenken, das uns die Natur vor Augen f├╝hrt.

E-Punkt Gaumenschmaus f├╝r einen guten Zweck

Kunst- und Kulturtreibende aber auch unsere ortsans├Ąssigen Vereine sind in diese Tagen, neben anderen Branchen besonders betroffen und k├Ąmpfen oft ums ├ťberleben.

G├Ânnen Sie sich daher einen ePunkt-Backhasen der B├Ąckerei Sautter zum Nachmittagskaffee oder schenken Sie Freude zum Osterfest mit einem ePunkt-Zuckerhasen aus Erika┬┤s B├╝gelst├╝ble und unterst├╝tzen Sie mit jedem Kauf K├╝nstler und Kulturtreibende, sowie Vereine in Eningen, damit der Start nach der Pandemie ein wenig Unterst├╝tzung erf├Ąhrt. Wir danken an dieser Stelle den beiden Unternehmerinnen f├╝r Ihre Mithilfe und ihr Engagement.

Die Spenden werden gesammelt und sollen f├╝r ein allgemeines Projekt verwendet wedren, die alle Kunsttreibenden bei der Vermarktung oder Planung ihrer Vorhaben unterst├╝tzen. Angedacht ist beispielsweise eine moderne Littfasss├Ąule in Form einer digitalen Wand, auf der sich K├╝nstler, Kulturtreibende und Vereine pr├Ąsentieren k├Ânnen und Sie als Besucher immer ├╝ber die neuesten Aktionen in der Gemeinde informiert sind oder eine Dauerplattform f├╝r Au├čenveranstaltungen.

 

Museum im Vor├╝berziehen

HAP Grieshabers Osterritt im Schaufenster der Gemeindeb├╝cherei

N├Ąchste Woche und p├╝nktlich zu Ostern soll der Kunstfr├╝hling in Eningen weiter erwachen. Pr├Ąsentieren m├Âchten wir Ihnen im Schaufenster der Gemeindeb├╝cherei den Osterritt HAP Grieshabers.

Es handelt sich hierbei um einen Bericht ├╝ber die Reise Grieshabers in seine Kindheit. Am Ostersonntag 1963 machte er sich mit seiner Islandstute Sweina auf den Weg ├╝ber die Alb nach Rot an der Rot. Dort wurde er geboren und dort wollte sich der erwachsene K├╝nstler damals wiederfinden und sich mit seinem Leben auseinandersetzen. Man k├Ânnte seine Unternehmung beinahe als eine Art Pilgerritt in die Kindheit bezeichnen, welchen Grieshaber sp├Ąter in Drucken und Zeichnungen festhielt. Seine Frau Riccarda Gohr-Grieshaber schrieb nach seinen Erz├Ąhlungen die Texte und so entstand schlie├člich ein Gesamtwerk, welches er den ÔÇ×OsterrittÔÇť nannte. Da Ostern f├╝r Neubeginn, Wiedergeburt und Erl├Âsung durch das Sterben Jesu und dessen Auferstehung steht, passt auch diese Reise Grieshabers in unsere Reihe zum Fr├╝hlingserwachen sehr gut. Am Ende hei├čt es: ÔÇ×W├Ąhrend seiner Krankheit hatten sich die Obstb├Ąume unter der warmen Sonne in rosawei├če, bienenumschw├Ąrmte Bl├╝tenwolken geh├╝llt, und erst diese zauberhaft verwandelte Gegenwart lie├č in Grieshaber seine Reise zur Vergangenheit werden.ÔÇť

Ein positives Res├╝mee zum Neubeginn nach der Bew├Ąltigung alter vielleicht unwegsamer Erinnerungen, welches wir mit dieser Ausstellung an Sie weitergeben m├Âchten. Legen Sie gerne im Vor├╝bergehen einen kleinen Stopp ein und erfahren Sie, wen Grieshaber unterwegs traf und wie er Altbekanntem begegnete.

Die Frontscheibe der Gemeindeb├╝cherei ist f├╝r Sie zur Selbstunterhaltung gestaltet aber wir m├Âchten Sie nat├╝rlich auch, soweit dies die Pandemie-Vorschriften zulassen beim Ergr├╝nden des Osterritts unterst├╝tzen.

Aktionen f├╝r Gro├č und Klein

Druckwerkstatt f├╝r Kinder

Wir laden Kinder zur Druckwerkstatt ein und freuen uns, dass Yvonne Kendall die K├╝nstlerin des ePunkt Hasen diese leiten wird.

Hier k├Ânnt ihr eure eigenen Erlebnisse, vielleicht sogar Ostererlebnisse zu Papier bringen. Es wird geschnibbelt und gedruckt und wir sind gespannt, was ihr gestaltet.

Termin wird noch bekannt gegeben

Anmeldung unter: 07121-8928100

Lesung f├╝r Erwachsene

Soweit es die Pandemie-Bestimmungen zulassen m├Âchten wir Sie im April oder Mai zu einer ÔÇ×OsterrittÔÇť-Lesung im B├╝chereigarten einladen. N├Ąhere Infos folgen.

In der n├Ąchsten Ausgabe soll es weiter gehen mit dem Fr├╝hlingserwachen in Sachen Kunst und wir berichten ├╝ber die Eninger Museen.

Viele Freude dem Eninger "Museum im Vor├╝berziehen"

Gemeinde Eningen und F├Ârderverein Eninger Kunstwege


 

Ein Fr├╝hlingsbote f├╝r Eningen

ÔÇ×Fertility MarquetteÔÇť von Yvonne Kendall auf dem ePunkt vorm Rathaus

 

Seit jeher gilt der Hase als Symbol f├╝r Fruchtbarkeit und Neuanfang und steht daher Jahr f├╝r Jahr Bote f├╝r den Fr├╝hlingsanfang und das Auferwecken der Natur. Doch was hierzulande so selbstverst├Ąndlich erscheint, ist f├╝r Menschen aus Regionen ohne pr├Ągnanten Jahreszeitenwechsel nicht gar so pr├Ąsent und ├╝berrascht Besucher aus der Ferne immer wieder. So auch die K├╝nstlerin Yvonne Kendall, als sie, aus Australien stammend, zum ersten Mal das Osterfest hier in Deutschland erlebte, es begeistert in sich aufsog und sogleich in innere Auseinandersetzung mit der hiesigen Symbolik eintauchte. Heraus kamen ├╝berlebensgro├če Skulpturen von Hasen und L├Ąmmern, die gro├čen Anklang in Australien fanden und heute in Melbourne Betrachter im ├Âffentlichen Raum begeistern.

Eine Kleinausgabe dieser ├╝bergro├čen ÔÇ×Hasen-BackformenÔÇť, aber mit nicht weniger Wirkungskraft, soll nun auch in Eningen den Fr├╝hling begr├╝├čen und uns neben der Vorfreude auf das anstehende Osterfest auch Zugang zum Thema der Fruchtbarkeit, des Neubeginns und zwischenmenschlicher Beziehungen vermitteln.

Kendalls Gesamtwerk ist biographisch und gesellschaftskritisch zugleich. Sie verarbeitet eigene Denkstrukturen und versucht diese auf ganz eigene Weise zum Ausdruck zu bringen.

Ob die Rolle der Frau in der Gesellschaft oder die Auseinandersetzung mit der digitalen Welt und deren Auswirkungen auf die Menschen, Yvonne Kendall hinterfragt in ihren Werken sehr feinf├╝hlig soziale, politische und wissenschaftliche Entwicklungen und stellt diese in den Kontext ihres eigenen Lebens.

Scheinbar aus Stoffen an die Wand trappierte, bestickte Kleidchen entpuppen sich als ein Aufb├Ąumen gegen die R├╝ckentwicklung der Emanzipation, gleichwie andere skulpturale Situationen den Gegensatz der Schnelllebigkeit und st├Ąndigen Erreichbarkeit gegen├╝ber der poetischen Stille thematisieren.

So und nicht anders n├Ąherte sich Kendall vor ein paar Jahren auch dem Thema der Hasen. Dies zeigt sich vor allem bei den Figuren im KunstRaum gegen├╝ber der Mayer B├Ąckerei. Hier greift Kendall zu Stoffen und Garnen, eines Ihrer Lieblingsmaterialien, die sie nicht zuf├Ąllig, sondern ganz gezielt zum Einsatz bringt - achten Sie beispielsweise auf die Musterung der Augenpartie, die nicht passender platziert sein k├Ânnte - , gleichwie Kendall zudem ├╝ber Farbsymbolik zum Betrachter spricht. Aus zwei seitlich abgebildeten Hasenfiguren bilden sich Hasenherzen in rot und blau, den Farben der Liebe und Treue, wie wir es aus dem Volksmund kennen. Yvonne Kendall verpackt hier gesellschaftliche Werte und schickt den Betrachter in eine innere Auseinandersetzung mit dem Thema menschliche Beziehungen und die Verbindung zweier Seelen, die neues Leben schaffen.

Die hier in Eningen ausgestellten Werke Kendalls sind sehr zug├Ąnglich, entpuppen sich beim zweiten Blick aber als tiefgr├╝ndig und erz├Ąhlerisch. Sie erz├Ąhlt von der Bedeutung der Symolik aus derTradition heraus, gleichwie sie diese Tradition in den heutigen Kontext stellt, Beziehungen untereinander hinterfragt und Zeichen setzt.

Gerade in Zeiten von Corona erscheint der Hase auf dem ePunkt zudem als ÔÇ×HoffnungsschimmerÔÇť, als Neuanfang und Wiedergeburt nach einer langen Phase der Entbehrungen, Schmerzen ├╝ber Verlust und soziale Einschr├Ąnkungen, die sich hoffentlich in K├╝rze f├╝r uns alle in Luft aufl├Âsen.

F├╝r Kunstinteressierte und Vor├╝berziehende ist der Hase ein kleiner Ausblick in die Welt der Kunstschaffenden zu Zeiten von meist geschlossenen Museen und wir freuen uns ├╝ber Ihren Besuch.

Da Veranstaltungen momentan nicht m├Âglich sind, wird die Vernissage zur Ausstellung von Yvonne Kendall auf den 25. Juni 2021 verschoben. Hier wird die K├╝nstlerin selbst ├╝ber ihr Werk berichten. Die Gemeinde und der F├Ârderverein Eninger Kunstwege freuen sich Sie hierbei begr├╝├čen zu d├╝rfen. Bitte entnehmen Sie etwaige Abweichungen aufgrund der Pandemie Verordnung ├╝ber die Presse.

Yvonne Kendall wurde 1965 in England geboren und zog im Alter von neun Jahren mit ihren Eltern nach Australien. Dort studierte sie sp├Ąter am Victoria College in Melbourne Kunst und schloss mit dem Bachelor of Arts im Jahre 1987 ab.

Seit 2000 lebt die Australierin mit ihrer Familie in Deutschland und ist nicht weniger agil, als sie dies in Australien bereits war. Weltweit stellt sie aus, k├╝mmert sich als Dozentin um den k├╝nstlerischen Nachwuchs, gleichwie sie den Spagat zwischen Familie und Arbeit bew├Ąltigt.

Druckwerkstatt f├╝r Kinder mit Yvonne Kendall in der Gemeindeb├╝cherei

 N├Ąhere Infos folgen!

 


Arche Achalm auf dem HAP Grieshaber Weg

Kurz vor dem ÔÇ×KreuzbuckelÔÇť mit Blick auf den Achalmgipfel steht nun die Station mit einem von HAP Grieshaber gestalteten siebzig Malbriefe an Margarete Hannsmann, seiner Freundin und Muse.

Der Brief, datiert vom 26.1.1968 ist als Gouache mit Kreide ausgef├╝hrt. In S├╝tterlinsschrift ist zu lesen ÔÇ× ach Wieslein wo hangest du baldÔÇť. Dieser Satz ist verst├Ąndlich, weil Grieshaber im November 1967 seine Schulter zertr├╝mmerte beim Versuch seine Islandstute Svenia einzufangen. Drei Monate musste er in der T├╝binger Uniklinik verbringen, eine Geduldsprobe f├╝r diesen umtriebigen Mann.

Dass er sich an und auf der Achalm zu Hause und geborgen f├╝hlte ist bekannt.

Wir haben als Beispiel f├╝r seine Liebe zu seinem Refugium ( im Volksmund H├╝ttenwerke genannt) diese lebendige Darstellung seiner Arche ausgew├Ąhlt, in der alle seine Tiere und seine Liebe abgebildet sind. Es zeigt, dass er als Maler genauso genial wie als Holzschneider war.

Erg├Ąnzend suchten wir ein Gedicht von Margarete Hannsmann f├╝r die R├╝ckseite aus mit dem Titel ÔÇ×Achalm 1ÔÇť.

ÔÇ×Dein Scho├č verwandelt die B├Ąume der WeltÔÇŽÔÇŽÔÇŽÔÇŽÔÇŽ.ÔÇť So beginnt es und ist eine einzige Liebeserkl├Ąrung zu diesem Berg. Es lohnt sich diesen Text in Ruhe zu lesen.

Unsere Werbefirma pixelgurus hat zugesagt, die Rahmen f├╝r die vier neu aufgestellten Repliken und die Informationstafeln, sobald als m├Âglich anzubringen. Gegenw├Ąrtig wirken die Tafeln etwas n├╝chtern und unfertig.

hw